Austauschjahr 2007/2008

Für das Austauschjahr 2007/2008 habe ich die Patenschaft für einen Darmstädter Austauschschüler übernommen: Der 18jährige André Nettermann von der Georg-Büchner-Schule wird das kommende Schuljahr in den USA verbringen und dort eine High School besuchen. Vor seinem Abflug in die USA traf ich André am Rande seines Vorbereitungsseminars in Berlin und wir sprachen über das "Abenteuer Amerika", das ihn ab September erwartet. Was André erlebt und wie es ihm in seiner Gastfamilie und in der neuen Schule geht, schildert er in seinen Berichten, die Sie hier lesen können.

 

Der Austausch geht zu Ende

In einem Tag (am 15. Juni) werde ich meine jetzige Heimat verlassen und den Heimweg antreten. Meine momentanen Gefühle sind wohl sehr schwer zu beschreiben für jemanden, der noch nie ein Austauschjahr hinter sich gebracht hat. Prom und Graduation sind nicht einmal lange her, wirken in meinen Augen allerdings sehr nebensächlich zum jetzigen Zeitpunkt und ich weiß noch nicht einmal mehr, worauf ich mich freuen soll, denn mittlerweile sind sogar meine Erinnerungen an Deutschland so stark verblasst, dass ich noch nicht einmal mehr die einfachsten Fragen zu Deutschland beantworten kann.

 

Meine Koffer sind gepackt, einer von beiden ist nur grade so in der Gewichtsvorgabe und dennoch platzen sie beinahe. In den letzten Tagen habe ich so viele Geschenke bekommen, dass ich nicht mal mehr weiß, wie ich sie alle unterbringen soll und manche von ihnen werden mir mit Sicherheit nachgeschickt werden müssen. Die Abschiedsfeier meines besten Freundes hier, einem brasilianischen Austauschschüler, der mit mir im September auf das
Oktoberfest gehen wird, fand heute bereits statt und mittlerweile ist er schon fast in Brasilien.

 

Ich bekam eine Großzahl von Briefen, einige von ihnen soll ich erst im Flugzeug öffnen. Ich weiß gar nicht, was ich auf dem Seminar in Washington soll! Nachdem ich ein Jahr hier verbracht habe, soll ich etwas über Amerika lernen und ich soll über mein Jahr berichten. Die Traurigkeit wird überwiegen und ich weiß nicht, wie ich all das hinter mich bringen soll. Ein letzter Bericht wird folgen, sobald ich mich wieder halbwegs in Deutschland eingelebt habe und dieser wird dann höchstwahrscheinlich über den ersten Kulturschock meines Lebens berichten.

Bis bald!

 

Schulbälle, Schnee und Ostern

Nach einigen Wochen voller Schulstress, Krankheit und Schulbällen sind nun endlich die Ferien da. Aber fangen wir am Anfang an. "Snowcoming" und "Black and White". Zwei Schulbälle die direkt aufeinander folgten. Während Snowcoming nicht wirklich erwähnenswert war ist Black and White umso besser
gewesen. Bei dem Black and White Ball handelte es sich um eine Veranstaltung
in einem doch ziemlich noblen Club die ausschließlich für Seniors, also 12. Klässler, war. Neben einem Banquette, Rockband und einer Tanzfläche mit DJ (das ist hier in Amerika mehr als erwähnenswert) trugen alle Teilnehmer schwarz und weiß und hier und da war vielleicht auch mal grau zu sehen. Der Abend war wirklich ein Erlebnis und der Zusammenhalt den es hier in Amerika zwischen den Schülern gibt, existiert in Deutschland gar nicht. Nach diesem Ball tauchte ich wieder ein in Schule und Langeweile und auch der Schnee war immer noch in großen Mengen anwesend, obwohl die Temperaturen so langsam stiegen.

Auch Ostern machte dieser Langeweile keine Pause, denn Ostern ist hier mehr als langweilig und weil sämtliche Osterbräuche von deutschen Einwanderern ins Land gebracht wurden, ist die Feier hier genau wie in Deutschland. Als der Schnee dank Sonne und warmen Luftströmen dann anfing zu schmelzen, durfte ich mich dann auch dank Krankheit für eine Woche aus der Schule verabschieden. In Deutschland wäre das ein freudiges Ereignis gewesen, doch hier kommt mit Abwesenheit ein riesiger Berg Arbeit auf einen zu und wenn man eine ganze Woche nicht da ist, dann ist dieser Berg schon so groß, dass man ihn eigentlich nicht mehr abarbeiten kann bevor die nächsten Arbeiten anstehen. Mittlerweile ist es hier angenehm warm, mit Temperaturen kurz vor den Zwanzigern und auch von Schnee ist nichts mehr zu sehen und ich habe die letzten Tage mit Fahrrad fahren und Fußball verbracht, denn es sind ja jetzt endlich Ferien!

 

Florida

Silvester ist vorüber, zumindest in Deutschland. Hier hat es nie stattgefunden. Die in Deutschland wohl größte Feier überhaupt ist hier nur... etwa wie die Aschermittwoch-Feiern in Deutschland, sie existiert eigentlich gar nicht. Jeder bleibt einfach nur lange wach (das bedeutet hier etwa ein Uhr) und versucht die Zeit abzusitzen. Ich habe daher mein Silvester bei Stake'n'Shake verbracht, einem hier ziemlich bekannten Fast Food Restaurant und das ist so außergewöhnlich, dass ich es sogar fast schon cool finde.
Nachdem meine riesige Silvesterfete dann rum war, ging es nach einigen Tagen in eine Art Urlaub, nämlich nach Florida. Der Hauptgrund unserer kleinen Wochenendreise war eigentlich, beim Disney-Halbmarathon mitzulaufen (das bezieht sich natürlich nicht auf mich, sondern auf meine Gastmutter) um auf A-T aufmerksam zu machen. A-T ist die Kurzform für Ataxia-Telangiectasia. Dies ist eine genetisch bedingte Krankheit, die Kinder ab dem etwa zweiten Lebensjahr beeinträchtigt. Sie fangen langsam an, ihre Balance zu verlieren. Später bekommen sie Probleme mit dem Reden bis sie aufgrund mangelnder motorischer Fähigkeiten im Rollstuhl sitzen. Diese Kinder werden im Regelfall nur 16 bis 20 Jahre alt. Da diese Krankheit äußerst selten ist, bekommt die Forschung für ein Heilmittel keinerlei Unterstützung vom Staat und genau hier versucht die A-T-Gemeinde anzusetzen und Geld zu sammeln, das der Forschung zu gute kommt. Ich kenne persönlich eine Familie mit zwei Kindern, die diese Krankheit haben und sie sind gute Freunde von mir und meiner Gastfamilie.

Obwohl Mitte Januar, war es noch nicht allzu kalt in Michigan, Temperaturen um die 0°C sind recht gut zu ertragen wenn man jeden Tag hört, dass es eigentlich 15°C kälter sein müsste. In Florida allerdings war es warm und die Sonne schien. Natürlich habe ich mir auch gleich am ersten Tag dann den Buckel verbrannt und kam gut braun zurück. Gleich danach ging der unmenschlichste Stress überhaupt los, denn Examen standen an. In jedem Fach eine eineinhalb Stunden lange Prüfung, die dann aber meistens doch recht einfach war. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir nicht so viel Stress mit dem Lernen bereitet. Nach ziemlich guten Ergebnissen in den Examen fing dann das zweite Semester an und zeitgleich auch der echte Winter.

Mittlerweile finde ich 0°C angenehm warm und empfinde -10° C nicht mehr als störend. Auch Schnee gibt es jetzt regelmäßig und in Massen. Bereits zweimal ist sogar die Schule ausgefallen, weil man einfach nicht zur Schule kommen konnte. Mittlerweile haben wir bestimmt etwa 60 cm Schnee. Außerdem befinde ich mich hier mitten im Wahlkampf der amerikanischen Vorwahlen, was wirklich unheimlich spannend ist, denn man bekommt hier einfach viel mehr mit als in Deutschland. Was mir aufgefallen ist, ist das der Wahlkampf hier vielmehr einer Schlammschlacht gleicht als in Deutschland, allerdings macht ihn das auch wesentlich interessanter. Mit so etwas bekommt man bestimmt auch die Wahlbeteiligung nach oben.

 

Hohe Gebäude, weiße Straßen

New York liegt hinter mir und die Weihnachtszeit hat mich nun fest in ihrer Hand. Doch auch im "Big Apple" war die Weihnachtsbriese bereits zu spüren und so konnte man am Rockefeller Center bereits einen großen Weihnachtsbaum und eine Arena zum Schlittschuhlaufen vorfinden. Alles in allem war New York atemberaubend und stieg in der Liste meiner Lieblingsstädte ganz weit nach oben. Eine Großzeit meiner Zeit verbrachte ich in Manhattan doch ich werde mich nun erstmal ganz ausführlich meiner Anreise widmen.

Der Flug ging in Detroit und somit befanden sich Kim und ich erstmal auf einer etwa 3 bis 4 stündigen Fahrt durch Michigan die ich eigentlich sogar ziemlich genoß, bis es dann darum ging einen Abstellplatz für unser Auto zu finden, doch das war auch relativ schnell erledigt. Der 1½ stündige Flug ließ mich auch eher kalt doch dann ging es ans Eingemachte. Zu zweit in einer riesengroßen Millionenstadt. Ohne Plan, ohne eine Idee was nun zu tun war! Glücklicherweise hatten wir eine Telefonnummer die uns dieses
Wochenende noch einige male rettete und ohne die wir so ziemlich aufgeschmissen gewesen wären. Clark, ein Mann den Kim noch nie getroffen hatte, der aber, den Aussagen einiger Verwandten zufolge, ein echt netter Kerl sein soll, war für uns Unterkunft und Reiseleiter zugleich und mit seiner Handynummer im Gepäck dachten wir kann uns ja mal eh nichts passieren.

 

An der "Grand Central Station" die ihrem Namen alle ehre macht und meiner Meinung nach ein bisschen mehr ist als einfach nur "Grand", trafen wir uns dann das erste mal und nach diesem Treffen fühlte ich mich wie vom Glück geohrfeigt weil ich nie an es glaubte. Clark war ein unfassbar zuvorkommender und freundlicher Mann. So richtig zu Augen führen kann man es sich wohl erst mit der Vorstellung das er zwei wildfremde Menschen für ein Wochenende aufnimmt und sich so unfassbar um sie sorgt.

Wie auch immer, es war bereits spät und die Sonne ging unter,
erleuchtete somit nur die Spitzen der Wolkenkratzer und Clark schickte uns
quer durch die Stadt, von einer Sehenswürdigkeit zur anderen und am gleichen
Abend stand ich dann auch auf der Aussichtsplatform des Empire State
Buildings. Die Aussicht ist sagenhaft und man kann sich garnicht vorstellen
wie groß diese Stadt ist. Wenn man am Horizont immernoch die Lichter der
Straßenbeleuchtung sieht dann muss das doch schon recht flächendeckend sein!

Clark lebt auf "Staten Island" ein Stadtteil von NYC der, wie der Name schon besagt, eine Insel ist und somit war es recht problematisch den Weg dort hin zu finden, wenn er doch jedes mal mitten im Wasser endete. Nach mehreren Telefonaten und richtungsweisenden" Gesprächen kamen wir dann zu einer Fähre die und KOSTENLOS nach Staten Island brachte und dort an der Fährstation holte Clark uns dann zusammen mit seinem Lebensgefährten, Richard, in seinem Auto ab. Ja richtig, Clark ist schwul. Kim wusste das genauso wenig wie ich, doch da weder sie noch ich ein Problem mit schwulen
haben ging das alles ohne Probleme von statten und nach einem Tee in Clarks Haus legte man sich todmüde schlafen.

Am nächsten Tag war dann wieder Sightseeing angesagt und man lief Stunden lang durch die Stadt bis einem die Füße schmerzten. Das meine ich durchaus Wörtlich und ich hatte bereits am zweiten Tag mit einigen wunden Stellen an meinen Füßen zu kämpfen. An diesem Tag versuchte ich zum ersten mal Sushi, welches ich wirklich lecker fand, und nahm Teil in einem Rundgang an der New York University. Nach diesen beiden und einigen anderen Sachen ging es dann wieder zurück nach Statten Island und ins Bett. Der Sonntag war dann angebrochen und war der Tag auf den wir gewartet hatten! Heute fand der New York Marathon statt und wir unterstützten Tim Borland der für ein Charity Event 63 Marathons in 63 Tagen lief und New York war das Finale. Wir ergatterten Spitzenplätze an der Zielgerade und hatten einen hervorragenden Blick auf den Kurs. Es ist unfassbar wie schnell und mit was für einem Tempo diese Spitzenatlethen einen Marathon laufen können. Es war eine einmalige Erfahrung und es war es definitiv wert, dass ich mein Geld in diesen Ausflug investiert habe!

Nach New York verschluckte mich wieder der Alltag und Schule machte mein Leben so langweilig wie zuvor. Doch die Umstände in denen mein Alltag stattfindet haben sich geändert und so liegen nun 30cm Schnee neben den Strassen und auf den Rodelhügeln dieser Region. Gestern war ich dann wieder mal an unserem Rodelhügel der eigentlich nur ein riesiger Krater im Boden ist doch das macht es gerade so toll. Man kann schuss den Berg runter fahren ohne darauf achten zu müssen nicht irgendwo gegen zu fahren.

Dieses Weihnachten wird somit mit sicherheit WEISS und den Aussagen der Ortsansässigen zufolge wird es im Januar noch viel, viel mehr Schnee geben.

17. Dezember 2007

 

Die Blätter fallen

Der Herbst hat begonnen, auch hier in Amerika, und ist mittlerweile sogar
fast schon zu Ende. Es geht hier wirklich unglaublich schnell! Die Blätter
verlieren ihre Farbe und "ZACK!" nach einer Woche ist auch schon alles rum, und die Blätter sind gar nicht mehr da. Auch die Temperatur hat sich dem angepasst und meine beiden mitgebrachten Jacken bieten mir nur noch
beschränkt eine zitterfreie Zeit. Allgemein kann man sagen, dass das Wetter
hier verrückt spielt. Ein Tag 5° C und am nächsten Tag wieder 20° C. Fast
jeden Tag kommt es vor, dass ich vollkommen falsch angezogen in der Schule
sitze und mich entweder zu Tode schwitze oder zu Tode friere. Den Amis
passiert das irgendwie nie... Die Wochen nach meinem letzten Bericht
vergingen ergeignislos, daher auch das lange Schweigen was neue Beiträge
anbelangt, doch nun habe ich endlich etwas worüber ich schreiben kann und es
ist "huge" wie meine Psychologielehrerin zu sagen pflegt, doch dazu komme ich am Ende des Berichtes (ich will ja auch das ihr ihn komplett lest ;-) ).
Erst einmal war ich am vergangenen Wochenende wieder mal im Norden Michigans am wunderschönen Mullet Lake. Diesmal mit dem bereits erwähnten seltsamen Wetterphänomen, anstelle des blauen Himmels und Sonnenschein. Freitag war Ankunft, Samstag dann worauf ich gewartet habe: SENIOR PICTURES!!!
Häääääää??? Senior Pictures? Ja, genau! Das sind Bilder der Seniors, also
der 12. Klässler, die dann unter anderem auch ins Jahrbuch kommen. Diese
Bilder spielen hier eine große Rolle aber dazu komme ich im nächsten Bericht
wenn ich meine Bilder habe und dann auch sagen kann ob sie gut geworden sind
:D . Das sollten sie allerdings, habe ich doch bei den Fotoaufnahmen unter
freiem Himmel einen WUNDERSCHÖNEN Sonnenuntergang im Hintergrund, fragt sich jetzt nur wie gut der auf den Bildern rüber kommt. Naja, es war auf jeden
Fall wirklich toll die Bilder zu schießen und ich habe sogar viel zum Erfolg
beigetragen indem ich nicht viel gemerkert habe wenn mal etwas an meiner
Körperhaltung su verbessern war, und auch viele eigene Ideen eingebracht
habe. Vielleicht habe ich ja Model Ambitionen ;-) .

Mein Deutsch hat sich mittlerweile sehr verändert. Das merke ich nicht nur
bei den Gesprächen mit Deutschland per Telefon, sondern auch bei den
Gesprächen mit den anderen deutschen Austauschschülern, von denen es hier
nur so wimmelt. Von wegen "du bist vielleicht der erste Deutsche der den
Amerikanern jemals unter die Augen gekommen ist, also mache dich auf
Vorurteile gefasst!"... nicht die Bohne! Die kennen das hier schon sehr gut
das sie mit ihren Vorurteilen falsch sind und somit wurde mir noch nie
ernsthaft eine "Hitler-Frage" oder sonstiges gestellt. Generell sind die
Amerikaner mehr der Ansicht Europa ist Eins und da hat man dann keine Fragen
über Deutschland an sich zu stellen sondern nur "Europa". Zurück zu meinem
Deutsch! Es ist etwas eigenartiges was sich in meinem Kopf zur Zeit ereignet
und wohl schwer für jeden zu verstehen der es noch nicht selbst durchgemacht
hat. Das bekannte "auf Englisch denken" schleicht so langsam in meinen Kopf
hinein und hat ihn eigentlich sogar schon fast erobert. Wenn einer der
anderen Austauschschüler mich etwas auf Deutsch fragt, bekommt er meist eine englische Antwort... ungewollt! Auch auf die darauf folgende Frage, "denkst du wirklich schon auf englisch?", kommt ein Deutsch gewolltes aber dennoch Englisch gesagtes, "Most of the time I do but I don't notice it.", es fällt mir also sogar schon leichter englisch zu sprechen als deutsch. Meine deutsche Aussprache vermisst außerdem fast jeglichen Dialekt und ist mehr Hochdeutsch als jemals zuvor. Auch mit der deutschen Rechtschreibung werde ich noch unsicherer als ich es nicht ohnehin schon war und mit der Groß- und Kleinschreibung komme ich gar nicht mehr klar. Ich weiß allerdings nicht ob ich auf englisch träume, denn von meinen Träumen hat sich in letzter Zeit nur wenig blicken lassen.

Zu guter letzt: Mein angekündigtes "huge".
Das kommende Wochenende verbringe ich in New York!!! The Big Apple! GEIL!
Das wollte ich doch schon immer mal machen, in die Stadt die man mit
Wolkenkratzern, der Freiheitsstatue und dem Inbegriff des gestressten
Menschen verbindet. Diese Entscheidung wurde erst vergangenen Freitag
gefällt und bis vor 2 Tagen stand es immer noch nicht ganz fest aber nun ist
es wie in Stein gemeißelt! Ich freue mich schon tierisch darauf euch von
meinem Wochenendtrip zu berichten!

Grand Rapids, 30. Oktober 2007

 

Chaos in Chicago

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen wurden und alles gekauft war, was zu kaufen war, konnte ich nun zwei Tage vor Abflug anfangen, meinen Koffer zu packen. Leider bin ich darin alles andere als begabt und daher hat es auch die gesamten zwei Tage gedauert, bis ich das alles beisammen hatte... endlich!

Aber schlechte Nachrichten gabs: Übergewicht! In beiden Koffern. Also? Koffer auf, Gummibärchen raus und ins Handgepäck, Koffer zu, PASST! Na dann kann es ja los gehen! In Frankfurt am Flughafen angekommen, musste ich erstmal meine Gruppe finden, doch das war recht einfach, dank unserem Erkennungszeichen, dem blauen GIVE Rucksack. Also noch eine Stunde im Café im Flughafen gewartet, bis dann der Abschied kam. Er war alles andere als schlimm, denn es war mehr wie ein Abschied von wegen "Tschüss, in zwei Wochen bin ich wieder zurück aus meinem Urlaub." Eigentlich fühlt es sich auch immer noch so an!

Nach doppelten Sicherheitskontrollen und einem neun stündigen Flug über den ich nichts als LANGWEILIG zu sagen habe, setzte ich dann das erste mal meinen Fuss auf amerikanischen Boden. Er fühlt sich genauso an, wie der Boden in Deutschland!

Hier in Chicago und dem zweit größten Flughafen der Welt ereignete sich dann Grossartiges! Erst gab es eine Tornardowarnung, nach der sich sämtliche Menschen im Terminal in einem unterirdischen Tunnel in Sicherheit bringen mussten, und es gab Unwetter, wie ich sie in meinem Leben noch nicht gesehen habe! Natürlich wurden alle meine Flüge, also auch die Ersatzflüge, gecancelt und es war klar das ich die Nacht hier in Chicago verbringen musste.
Das Chaos war unvorstellbar und ich möchte nicht in die Details gehen! Nach einer eeeewigen Nacht und nur zwei Stunden Schlaf konnte ich endlich meine Endziel, Grand Rapids (MI) in Angriff nehmen. Der Flug dauerte schätzungsweise 30 Minuten, als ich dann ankam und meine Gastfamilie mich herzlichst begrüsste. Meine Koffer irrten zu dieser Zeit noch irgendwo im Chicagoer Chaos herum. An diesem Tag, den ich mit schweren Augen überstand, ging ich noch in meine zukünftige Schule, um meine Fächer auszuwahlen.

Die folgenden zwei Wochen, bevor die Schule anfing, vergingen dann rasend schnell und waren vollgepackt mit Ausflügen und sonstigen Dingen. Das beste war wohl der Wochenendtrip nach Cheboygan (MI) am wunderschönen Mullet Lake. Hier lernte ich einen Großteil der restlichen Familie kennen, lernte Golfen und Wasserski fahren. Das kann ich wirklich jedem empfehlen, der es noch nicht gemacht hat!!!

Nach diesen zwei Wochen ging es dann los mit Schule und Stress, in dem ich mich auch heute befinde, denn neben Schule, Hausaufgaben und Freizeit kommt auch noch die Zeit dazu, die man aufbringen muss, um jeden Tag im Fussballtraining zu sein.

Das alles unter einen Hut zu bekommen ist alles andere als leicht, dennoch macht es mir hier riesig Spass und es ist all die Mühe wert!

Grand Rapids, 10. September 2007

 

Letzte Vorbereitungen

Endlich ist es so weit!!! Nach ewigem Warten und Zittern habe ich nun
endlich meine Gastfamilie bekommen, und es ist ein Glücksgriff! Ich komme
nach Hudsonville, Michigan, einem kleinen Ort mit gerade mal 7.000 Einwohnern,
der jedoch zur Georgetown Township gehört, die sich insgesamt auf etwa 40.000 Einwohner beläuft. Nur ein paar Kilometer entfernt liegt dann auch schon die Großstadt Grand Rapids - die "großen Schnellen", so hat das erst gestern ein Freund von mir übersetzt :). Diese Stadt der Großen und Schnellen beläuft sich auf ca. 300.000 Einwohner und ist somit mehr als doppelt so groß wie Darmstadt. Also muss ich keine Angst davor haben, von der Zivilisation abgeschnitten zu sein, so wie es ja in weiten Teilen der USA der Fall wäre.

Michigan liegt im Seengebiet der USA. Vergleichbar mit der Mecklenburgischen
Seenplatte ist dieses Gebiet durchzogen mit kleinen und großen Seen. Der
bekannteste von ihnen ist wohl der Lake Michigan, der auch nur 20 Minuten von
meinem zukünftigen zu Hause entfernt ist. Neben dieser tollen Lage wurde ich
aber auch bezüglich der Familie vom Glück geküsst. Die Familie ist sehr
sportlich und desweiteren unglaublich stark sozial engagiert und dieses
Engagement beginnt bereits bei der 9jährigen Tochter, die bemalte Steine
verkauft, um Geld zu sammeln, das zwei Freunden zu Gute kommen soll, die an
einer seltenen Krankheit leiden. Für diesen Zweck und um auf die Krankheit
aufmerksam zu machen, wird die Familie in einigen Tagen auch bei einem
Marathon mitlaufen. Mein Gastvater ist Mathelehrer und Footballcoach, meine
Gastmutter Sekretärin in einem Büro für Innenarchitektur. Außerdem habe ich
einen kleinen, sechs Jahre alten Bruder.

Nun, da nur noch 2 Wochen verblieben sind, um mich vorzubereiten und ich
soeben erst meine Gastfamilie bekommen habe, wird die Zeit knapp. Es stehen
noch einige Besogungen an, wie z.B. Gastgeschenke, eine in den USA nutzbare
SIM-Karte, Klamotten und sonstige Dinge. Wirklich bewusst, dass ich bald in
die USA fliege, ist es mir immer noch nicht, was all die Besorgungen noch
schwieriger macht. Auch weiß ich gar nicht wirklich, wie ich mich denn mental
auf den Abschied vorbereiten soll, denn er wird für mich aus heiterem Himmel
kommen. Ich werde fast täglich von Freunden gefragt, wohin ich komme und wann es denn los geht. Immerhin kann ich mitlerweile auf beide Fragen
antworten...

Darmstadt, 09. August 2007

 
 

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