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Austausch 2011

Erster Reisebericht von Jonas Kapitzke

Die ersten Monate sind vorbei. Ich kann es kaum glauben, die Zeit hier vergeht wie im Flug. Es kommt mir vor, als ob ich erst einen Monat hier bin. Aber wenn ich überlege wie viel ich schon erlebt habe? Nicht nur Thanksgiving, Weihnachten, Neujahr, auch war ich bei den Niagarafällen und in Washington D.C.

Thanksgiving ist hier ein sehr wichtiges Fest. Erst dachte ich, dass "Thanksgiving" dasselbe wie "Erntedankfest" ist, aber es gibt in Nordamerika kleine Unterschiede, z.B. warum das Fest gefeiert wird.

In Nordamerika hat "Thanksgiving" sehr viel mit den ersten Pilgern zu tun, die nach USA auswanderten. Im ersten Jahr war es sehr schwer für sie. Wenn die Indianer ihnen nicht geholfen hätten, wären sie womöglich verhungert. Doch die Indianer halfen ihnen und dies feierten sie mit "Thanksgiving", einer friedlichen Feier mit viel Essen. Frieden zwischen Pilgern und Indianern, der nicht lange halten sollte. Hier wird das Fest überall gefeiert und ist ein großes Familienevent. Meine Gastmutter hat es als "Essen, schlafen, mehr essen und wieder schlafen" bezeichnet. Es stimmt, es wird SEHR viel gegessen. Manche Familien gehen nicht nur zu einem einzigen "Thanksgiving - Dinner", sie gehen an einem Tag zu mehreren verschiedenen Leuten um zu essen.

Mein Gastbruder hat ein kleines Theaterstück über die ersten Pilger in der Schule aufgeführt und ich war mit meiner Familie in Washinton D.C., um meinen "Gastgroßvater" zu besuchen und Washington zu besichtigen. Mein Gastgroßvater arbeitet für die Regierung, gleich neben dem Kapitol, deswegen haben wir eine exklusive Insiderführung durch das Kapitol bekommen. Man kann sich nicht vorstellen, wie groß das Gebäude ist! Die Kuppel selber ist nur ein kleiner Teil des Gebäudes und ist RIESIG! In der Kuppel stehen von jedem Staat 2 Figuren in Lebensgröße oder sogar größer. In der riesigen Kuppel sind Wandbemalungen mit der Geschichte Amerikas. Da der Maler falsch gemessen hatte und er erst, als er die letzten Meter bemalt hatte, bemerkte, dass er zu wenig gemessen hatte, musste er die letzten Bilder ein bisschen ausbreiten. Das gesamte Gebäude ist aus den edelsten Materialien gebaut. Direkt neben dem Kapitol ist eine große Staatsbücherei mit wichtigen alten Dokumenten. Als wir die "National Mall" entlang liefen, sahen wir unter anderem das "Washington Memorial", "World War I Memorial" und das "World War II Memorial". Am Ende der "National Mall" ist das "Lincoln Building".

Abends wurde uns eine dreistündige Nachttour von meinem Gastgroßvater spendiert, denn bei Nacht sieht alles wunderbar aus, da alles hell erleuchtet ist. Hier habe ich unter anderem das "Vietnam Memorial" gesehen. Eine riesige Wand vollgeschrieben mit Namen von getöteten Soldaten. Am Ende haben wir natürlich noch das Weiße Haus gesehen. Es ist viel kleiner, als ich es mir vorgestellt habe, aber es ist ja "nur" ein Wohnhaus.

Weihnachten ist nicht viel anders als in Deutschland. Ich denke mal, jede Familie feiert es ein bisschen anders und es gibt nur ein paar generelle Unterschiede.

Der Weihnachtsbaum ist meiner Meinung nach einer der größten Unterschiede. In Deutschland hatte ich einen Weihnachtsbaum, den ich mit roten, weißen oder blauen Kugeln geschmückt habe und mit ein bisschen Lametta und natürlich Lichtern.

Hier war der erste Unterschied: Wir hatten drei Weihnachtsbäume, die allerdings alle künstlich waren und jedes Jahr neu zusammengesteckt werden. Meine beiden Gasteltern hatten jeweils ihren eigenen Baum (beide Bäume waren größer als ich!) und mein Gastbruder hatte auch einen sehr kleinen Baum, den wir aber dieses Jahr nicht aufgestellt haben. Dazu kamen zwei RIESIGE Kisten voller Weihnachtsschmuck. Aber weniger normale, eintönige Kugeln, sondern mehr "zufälliger" Schmuck. So gut wie alles, was irgendwie einen Haken hat und an einen Baum gehängt werden kann, wurde auch aufgehängt. Jedes Jahr werden diese Kisten voller, da immer wieder neuer Weihnachtsbaumschmuck geschenkt wird. Unter anderem waren auf dem Baum Schlüsselanhänger, Bilder, Flaggen und Gebasteltes. Alles in allem ist es viel persönlicher mit mehr persönlichen Sachen. Zum Beispiel: Am Baum meines Gastvaters hingen viele Autos und er hatte Yoda als Spitze. Öffentliche Weihnachtsbäume sehen allerdings genauso aus wie in Deutschland.

Noch ein großer Unterschied war, dass der Weihnachtsmann erst in der Nacht auf den 25. kam.

Am 24. haben wir Geschenke ausgepackt, die wir uns untereinander geschenkt haben und am 25. wurden die Geschenke vom "Santa Claus" ausgepackt. Außerdem bekamen mein Gastbruder und ich einen Strumpf mit Süßigkeiten. Allerdings hingen diese nicht an dem Kamin sondern hinter dem Fernseher.

Silvester selber war ein nicht so großes Spektakel. In Elyria sind Silvesterraketen nicht erlaubt, deswegen war es im wahrsten Sinne des Wortes ein nicht so großer Kracher.

An Neujahr sind wir zu den Niagarafällen gefahren. Die Fälle sind RIESIG, ich hatte mir nicht vorgestellt, dass sie so groß sind. Alles ist erleuchtet. Die eine Seite der Fälle ist die amerikanische und die andere die kanadische Seite. Die kanadische Seite soll viel besser sein. Aber da mein Visum nur eine Einreise erlaubt, mussten wir auf der Amerikanischen bleiben.

Am 1. Februar gibt es wie in Deutschland Zeugnisse. Danach fängt das neue Semester an mit meinen neuen Kursen. Ein paar Kurse werden sich ändern, z.B. "Forensic Science" und "Contemporary Issues" gehen zu Ende. Ich wechsle von "Precalculus" zu "Honors Precalculus", in der Hoffnung, den deutschen Standard zu erreichen. Doch vor den Zeugnissen ist die Examina Woche.

Abschlussbericht zum Austauschjahr 2010/2011

Mein Jahr in den USA war eine Zeit, an welche ich mich lange erinnern werde. Ich werde niemals meine amerikanischen Freunde, meine Highschool und meine amerikanische Gastfamilie vergessen. Ich werde immer ein zweites Zuhause haben. Meine Erfahrungen, welche ich in diesem Jahr gemacht habe, werden mich mein gesamtes Leben lang begleiten.

Am 2. September 2010 begann meine Reise in ein neues Leben. Gleich am Flughafen in Cleveland begrüßten mich meine Gastmutter und mein Gastbruder, mit denen ich ein Jahr leben sollte. Sie schienen mir auf Anhieb sympathisch.

Meine Gasteltern vertrauten mir von Anfang an. Gleich am ersten Tag gaben sie mir einen Haustürschlüssel, sowie sämtliche Computerpasswörter im Haus.

Das Haus, in dem meine Gastfamilie lebt, ist sehr alt, dafür sehr groß. Ich bekam mein eigenes Zimmer. Meine Gastfamilie lebt in „Elyria“, eine kleine Stadt in der Nähe von Cleveland in Ohio. Meine Gastfamilie hat 3 Katzen und 3 Hunde. Es war eine nette Erfahrung mit Haustieren zu leben.

Ich ging zur „Elyria High School“. Sie hatte gerade einen Neubau bekommen. Die Ausstattung der Schule war umfangreich und neu. Das Schulsystem unterscheidet sich sehr von dem Deutschen. Ein offensichtlicher Unterschied ist, dass es in Amerika nur Gesamtschulen gibt. Ich hatte 8 Schulfächer, welche sich jeden Tag wiederholten. Ich konnte meine Fächer unter Berücksichtigung einiger Regeln frei wählen. Auch konnte ich selber den Schwierigkeitsgrad meiner Kurse bestimmen. Es war motivierend, seine Schwerpunkte selbst setzen zu können. Ich setzte meinen Schwerpunkt auf meine jetzigen Leistungskurse Physik und Mathe. Ich belegte „Honors Precalculus“ und „Honors Physics“. Dies ermöglichte mir den Einstieg in die deutsche Schule, ohne Wiederholung einer Jahrgangsstufe. Außerdem belegte ich „American History“, „Contemporary Issues“, „Drama“ und „Forensic Science“, ein für uns exotisches Fach. Dort lernt man, Kriminalfälle zu lösen.

Jeden Tag wurde durch Lautsprecherdurchsage der „Pledge of Allegiance“ vorgesprochen. Man stand auf, drehte sich zu der amerikanischen Flagge, welche in jedem Klassenraum hing und sagte: „I pledge allegiance to the flag of the United States of America, and to the republic for which it stands, one nation under God, indivisible, with liberty and justice for all.“

Ich lebte mich sehr schnell in die Gemeinschaft ein. In der Schule fand ich viele Freunde. Ich besuchte viele „school activities“, wie den „Drama club“ oder den „Lions club“.

Mit meiner Gastfamilie war ich in Washington DC um Verwandte zu besuchen. Mein Gastgroßvater arbeitet in der Regierung und konnte uns eine „Insiderführung“ geben. Wir besuchten außerdem viele Denkmäler, wie z.B. die der beiden Weltkriege. Es war ein seltsames Gefühl, dort als Deutscher aufzutreten. Ich hatte vor dem Jahr befürchtet, dass Amerikaner Vorurteile gegen Deutsche haben.
Dies war das komplette Gegenteil. Wann immer Leute erfuhren, dass ich aus Deutschland kam, erzählten sie von Erfahrungen, die Sie oder einer ihrer Verwandten in Deutschland gemacht hatten. Amerikaner sind sehr gut auf Deutsche zu sprechen, dies liegt nach meinen Erfahrungen sehr an dem guten deutsch-amerikanischen Verhältnis nach dem 2. Weltkrieg.

An Weihnachten kam natürlich ein bisschen Sehnsucht nach Zuhause auf, da ich meine Familie und meine Freunde ein knappes halbes Jahr nicht gesehen hatte. Meine Gastfamilie tat alles, damit ich auch Weihnachten genießen konnte. Es war sehr interessant, in einer anderen Familie Weihnachten zu feiern. Im Grunde gab es nicht viele Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Weihnachten. Jede Familie feiert es ein bisschen anders. An Neujahr fuhr ich mit meiner Gastfamilie zu den Niagarafällen.

Auch fuhren wir nach New York und blieben dort eine Woche. Meine Gastmutter hatte dort ein paar Verwandte und sie wollte mir die Stadt zeigen. Ich konnte alle Orte sehen, welche jeder aus dem Fernsehen kennt, wie das Time Square und das Empire State Building. Ich hatte mich zu der Zeit völlig an das Englischsprechen gewöhnt gehabt, sodass ich Englisch genauso gut verstand wie Deutsch. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal nach New York reisen und mich so fühlen würde, als ob jeder meine Sprache sprechen würde.

Das Jahr neigte sich viel zu schnell dem Ende zu. Vor allem in den letzten Wochen war es schwer für mich. Ich musste mich nun von allen amerikanischen Freunden verabschieden und Reisevorbereitungen treffen.
Erst im Flugzeug kam Vorfreude auf Deutschland auf. Ich hatte ein komisches Gefühl dabei, wieder in das alte Zuhause zurückzukehren. Alles schien fremd und doch vertraut.

Zurück in Deutschland kam eine Zeit, die ich nicht erwartet hatte. Mir fielen Dinge auf, die ich nie zuvor bemerkt hatte. Die Ankunft in Deutschland war ein bisschen so wie die Ankunft in Amerika. Ich sah meine Familie und Freunde wieder. Es war eine schöne Erfahrung, wieder in einem öffentlichen Verkehrsmittel zu einen deutschen Bäcker zu fahren und zu versuchen, auf Deutsch Brötchen zu bestellen. In Amerika gibt es selten öffentliche Verkehrsmittel oder Bäcker. Es hatte sich zuhause fast nichts verändert und doch sehe ich die Welt jetzt anders.

Die Sprache war niemals ein großes Problem während des Jahres. Das Lernen der Sprache Englisch ist während des Austausches Nebensache. Die Hauptziele des Auslandsjahres sind die Lebenserfahrungen und die kulturellen Erlebnisse. Durch dieses Auslandsjahr habe ich nicht nur eine fremde Kultur kennen gelernt, ein zweites Zuhause und neue Freunde bekommen, sondern ich habe auch meine eigene Kultur mit neuen Augen sehen gelernt.

Ich danke allen, die mir dieses großartige Jahr ermöglicht haben!

 
 


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